Zukunftsfähige Lösungen für eine nahtlose Kombination von Fahrrad, Bus und Bahn

Foto 2 Radparken am Hauptbahnhof Ulm 1 c Annika Morath Donaubuero Ulm.Neu Ulm

Das EU Projekt Active2Public Transport (A2PT) erforschte, wie aktive Mobilität und öffentlicher Verkehr besser kombinierbar sind. Beteiligt waren die Radkompetenz Mitglieder BMIMI klimaaktiv mobil, Mobilitätszentrale Burgenland und Verracon. Teil des Projekts war das individuelle Erproben multimodaler Mobilität im Rahmen der Pilotaktivität „Gönn’ deinem Auto eine Pause“. Dabei erhielten rund 50 Testpersonen im Donauraum kostenfrei ein Fahrrad und ein Monatsticket für den ÖV. Auch im Burgenland, in Bukarest, in Bratislava und in Olmütz wurden E Bikes, Falträder oder Lastenräder kombiniert mit ÖV Tickets bereitgestellt. Die Erfahrungen zeigen, welches Potenzial in der Kombination von Fahrrad und öffentlichem Verkehr steckt – und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

Multimodale Mobilität erproben

Die Effekte der Testaktion im Burgenland waren messbar: Sieben Teilnehmende änderten ihr Mobilitätsverhalten, rund 200–300 Autofahrten wurden ersetzt, die durchschnittliche Einsparung lag bei 207,50 € pro Person. Der niederschwellige Zugang zu Rad und ÖV erhöhte die Akzeptanz multimodaler Mobilität deutlich. „Ich kann es kaum glauben, dass wir seit fast drei Wochen kein Auto mehr gebraucht haben … dank E-Antrieb am Fahrrad kommt man überall ohne große Mühen hin“, erzählt Sabine (44) aus der Region Ulm/Neu-Ulm. Vier Wochen lang erledigte sie ihre Wege mit Öffis, Rad und zu Fuß. Auch in der Stadtregion Ulm/Neu-Ulm zeigte sich: Ein vollständiger Umstieg vom Auto blieb die Ausnahme, doch die Mehrheit, neun von 13 Teilnehmer:innen, reduzierte danach die Pkw Nutzung zugunsten von aktiver Mobilität und öffentlichem Verkehr.

Infrastruktur als Schlüssel zur Kombination von Rad und ÖV

Gleichzeitig wurden Lücken in der Infrastruktur und bei den Services durch die Testaktion sichtbar. Fehlende oder qualitativ unzureichende Radverbindungen sowie eine eingeschränkte Servicequalität mit Bus und Bahn erschweren die Kombination. Multimodalitätschecks an 45 Haltepunkten des öffentlichen Verkehrs (ÖV) im Donauraum bestätigten diese Befunde. Besonders im ländlichen Raum fehlen sichere Anbindungen zwischen Gemeinden und ÖV-Knoten – das Auto bleibt oft die bequemere Option. Für das Burgenland soll sich das nun sukzessive ändern. Aus den Analysen wurden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet und der „Leitfaden Haltestellenausstattung“ erstellt. Dieser beinhaltet nicht nur Qualitätskriterien für die Haltestellen an sich, sondern berücksichtigt auch die von Radfahrenden und Zu-Fuß-Gehenden genutzten Zu- und Abgangswege im Umfeld der Haltestellen.

Sichere Radabstellanlagen an Haltestellen

Foto 1 Busstation Bratislava c Simon Jurik BID scaled e1782307742748

Bratislava, Slowakei – Radabstellanlagen bei Bushaltestelle © Šimon Juřík BID

Neben einer guten Netzanbindung spielt die Ausstattung der Haltestelle selbst eine zentrale Rolle. Ein Mindeststandard sind qualitativ hochwertige Radabstellanlagen: Im urbanen Kontext einfach zu bedienende, nahe am Eingang positionierte Bügel. In ländlichen Regionen werden zunehmend direkt beim Wartehäuschen integrierte Radbügel zum Standard. Der „Leitfaden Haltestellenausstattung“ empfiehlt jede Haltestelle, die ein entsprechendes Nachfragepotenzial im Radeinzugsbereich aufweist, mit sicheren, barrierefrei erreichbaren und wenn möglich witterungsgeschützten Radabstellmöglichkeiten auszustatten. An regionalen ÖV-Knoten sind großzügigere, überdachte und gut beleuchtete Radabstellanlagen erforderlich; an größeren Standorten ein Mix aus Bügeln, überdachten Stellplätzen und Fahrradboxen im Nahbereich aller Ausgänge der Station empfehlenswert.

Foto 2 Radparken am Hauptbahnhof Ulm 1 c Annika Morath Donaubuero Ulm.Neu Ulm

Radabstellanlage Bahnhof Ulm, Deutschland © Annika Morath

Großdimensionierte Fahrradgaragen wie etwa in Ghent (Belgien), Utrecht (Niederlande) oder Fahrradhallen wie am Gare du Nord in Paris (Frankreich) sind im Donauraum noch selten, einzelne Beispiele, wie der neue Fahrradparkplatz am Bahnhof Ulm, zeigen jedoch in die Richtung.

Fahrradboxen für sicheres Parken am Bahnhof

Fahrradboxen bieten zusätzlich sicheres Langzeitparken, insbesondere für hochwertige Räder und E Bikes. In Österreich existieren erste Anlagen in Vorarlberg, Salzburg, Wien oder etwa in Wulkaprodersdorf im Burgenland, wo die Radboxen vorwiegend von Pendler:innen genutzt werden. Im Projekt wurden entsprechende Systeme in Slowenien und erstmals auch in Serbien erprobt.

Foto 3 Radboxen c MOPE SLO

Fahrradboxen in Grosuplje, Slowenien © MOPE

In Grosuplje, Slowenien, wurden bestehende Boxen technisch aufgerüstet. Statt einem mechanischen Schlüsselsystem, das sich als störungsanfällig und wartungsintensiv herausstellte, wurden neue digitale Schlösser – ähnlich einem Hotelsafe – installiert. Zusätzlich wurden die bisher kaum genutzten Radboxen am Bahnhof mit Social-Media-Kampagne beworben. Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv – insbesondere hinsichtlich Sicherheit, Komfort und einfacher Nutzung.

Erfolgsfaktor Kooperation und Zuständigkeiten

Gleichzeitig verdeutlichen Verzögerungen, etwa bei der Umsetzung in Novi Beograd, Serbien, die Bedeutung institutioneller Rahmenbedingungen. Nach ersten sehr positiven Interessensbekundungen der lokalen Stakeholder blieb über etliche Monate offen, auf wessen Grund und Boden die Fahrradboxen aufgestellt werden sollen. Unklare Zuständigkeiten und Grundstücksfragen zwischen Bahn, Busbetreiber und der Stadt Belgrad verzögerten die Umsetzung.

Foto 4 Radboxen Busbahnhof Novi Beograd 2 c Danube Competence Center

Fahrradboxen am Busbahnhof in Novi Beograd, Serbien © DCC

Novi Beograd ist mit dieser Herausforderung kein Einzelfall im Donauraum oder in Europa. Diese Konstellationen sind typisch für größere ÖV‑Knoten und machen deutlich: die Umsetzung von Maßnahmen im Haltestellenumfeld ist ein komplexer Prozess mit vielen beteiligten Akteur:innen. Ausreichende Zeit für Abstimmung, Planung und Umsetzung ist daher auch für vermeintlich kleinere Maßnahmen wie die Ergänzung von Radabstellanlagen am Bahnhofsvorplatz entscheidend für den Erfolg.

Die Erfahrungen aus dem Projekt Active 2 Public Transport zeigen, dass die Kombination von Fahrrad und öffentlichem Verkehr großes Potenzial besitzt. Entscheidend sind jedoch sichere Wege zur Haltestelle, hochwertige Abstellmöglichkeiten und eine gute Zusammenarbeit der beteiligten Akteur:innen. Alle Erfahrungen aus sieben Pilotaktionen sowie über 30 inspirierende Good-Practice-Beispiele sind als innovative Lösungen in der englischsprachigen Toolbox publiziert. Diese praxisnahen, innovativen Lösungen zur besseren Anbindung aktiver Mobilität an den öffentlichen Verkehr sind in zehn zentrale Handlungsfelder und Leitprinzipien für interessierte Expert:innen eingebettet.

Weiterführende Links:

Leseempfehlungen des Projektteams für das Radkompetenz-Publikum:

Dieses Projekt wurde vom Donaurraum-Interreg-Programm mit Fördermitteln der EU kofinanziert, vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) initiiert und wurde von der Österreichischen Energieagentur als Lead Partner in Kooperation mit klimaaktiv mobil umgesetzt.

Veröffentlicht am: 25. Juni 2026Kategorien: Forschung & Projekte, Planung & ConsultingSchlagwörter: , ,

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Zukunftsfähige Lösungen für eine nahtlose Kombination von Fahrrad, Bus und Bahn

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Das EU Projekt Active2Public Transport (A2PT) erforschte, wie aktive Mobilität und öffentlicher Verkehr besser kombinierbar sind. Beteiligt waren die Radkompetenz Mitglieder BMIMI klimaaktiv mobil, Mobilitätszentrale Burgenland und Verracon. Teil des Projekts war das individuelle Erproben multimodaler Mobilität im Rahmen der Pilotaktivität „Gönn’ deinem Auto eine Pause“. Dabei erhielten rund 50 Testpersonen im Donauraum kostenfrei ein Fahrrad und ein Monatsticket für den ÖV. Auch im Burgenland, in Bukarest, in Bratislava und in Olmütz wurden E Bikes, Falträder oder Lastenräder kombiniert mit ÖV Tickets bereitgestellt. Die Erfahrungen zeigen, welches Potenzial in der Kombination von Fahrrad und öffentlichem Verkehr steckt – und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen.

Multimodale Mobilität erproben

Die Effekte der Testaktion im Burgenland waren messbar: Sieben Teilnehmende änderten ihr Mobilitätsverhalten, rund 200–300 Autofahrten wurden ersetzt, die durchschnittliche Einsparung lag bei 207,50 € pro Person. Der niederschwellige Zugang zu Rad und ÖV erhöhte die Akzeptanz multimodaler Mobilität deutlich. „Ich kann es kaum glauben, dass wir seit fast drei Wochen kein Auto mehr gebraucht haben … dank E-Antrieb am Fahrrad kommt man überall ohne große Mühen hin“, erzählt Sabine (44) aus der Region Ulm/Neu-Ulm. Vier Wochen lang erledigte sie ihre Wege mit Öffis, Rad und zu Fuß. Auch in der Stadtregion Ulm/Neu-Ulm zeigte sich: Ein vollständiger Umstieg vom Auto blieb die Ausnahme, doch die Mehrheit, neun von 13 Teilnehmer:innen, reduzierte danach die Pkw Nutzung zugunsten von aktiver Mobilität und öffentlichem Verkehr.

Infrastruktur als Schlüssel zur Kombination von Rad und ÖV

Gleichzeitig wurden Lücken in der Infrastruktur und bei den Services durch die Testaktion sichtbar. Fehlende oder qualitativ unzureichende Radverbindungen sowie eine eingeschränkte Servicequalität mit Bus und Bahn erschweren die Kombination. Multimodalitätschecks an 45 Haltepunkten des öffentlichen Verkehrs (ÖV) im Donauraum bestätigten diese Befunde. Besonders im ländlichen Raum fehlen sichere Anbindungen zwischen Gemeinden und ÖV-Knoten – das Auto bleibt oft die bequemere Option. Für das Burgenland soll sich das nun sukzessive ändern. Aus den Analysen wurden konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet und der „Leitfaden Haltestellenausstattung“ erstellt. Dieser beinhaltet nicht nur Qualitätskriterien für die Haltestellen an sich, sondern berücksichtigt auch die von Radfahrenden und Zu-Fuß-Gehenden genutzten Zu- und Abgangswege im Umfeld der Haltestellen.

Sichere Radabstellanlagen an Haltestellen

Foto 1 Busstation Bratislava c Simon Jurik BID scaled e1782307742748

Bratislava, Slowakei – Radabstellanlagen bei Bushaltestelle © Šimon Juřík BID

Neben einer guten Netzanbindung spielt die Ausstattung der Haltestelle selbst eine zentrale Rolle. Ein Mindeststandard sind qualitativ hochwertige Radabstellanlagen: Im urbanen Kontext einfach zu bedienende, nahe am Eingang positionierte Bügel. In ländlichen Regionen werden zunehmend direkt beim Wartehäuschen integrierte Radbügel zum Standard. Der „Leitfaden Haltestellenausstattung“ empfiehlt jede Haltestelle, die ein entsprechendes Nachfragepotenzial im Radeinzugsbereich aufweist, mit sicheren, barrierefrei erreichbaren und wenn möglich witterungsgeschützten Radabstellmöglichkeiten auszustatten. An regionalen ÖV-Knoten sind großzügigere, überdachte und gut beleuchtete Radabstellanlagen erforderlich; an größeren Standorten ein Mix aus Bügeln, überdachten Stellplätzen und Fahrradboxen im Nahbereich aller Ausgänge der Station empfehlenswert.

Foto 2 Radparken am Hauptbahnhof Ulm 1 c Annika Morath Donaubuero Ulm.Neu Ulm

Radabstellanlage Bahnhof Ulm, Deutschland © Annika Morath

Großdimensionierte Fahrradgaragen wie etwa in Ghent (Belgien), Utrecht (Niederlande) oder Fahrradhallen wie am Gare du Nord in Paris (Frankreich) sind im Donauraum noch selten, einzelne Beispiele, wie der neue Fahrradparkplatz am Bahnhof Ulm, zeigen jedoch in die Richtung.

Fahrradboxen für sicheres Parken am Bahnhof

Fahrradboxen bieten zusätzlich sicheres Langzeitparken, insbesondere für hochwertige Räder und E Bikes. In Österreich existieren erste Anlagen in Vorarlberg, Salzburg, Wien oder etwa in Wulkaprodersdorf im Burgenland, wo die Radboxen vorwiegend von Pendler:innen genutzt werden. Im Projekt wurden entsprechende Systeme in Slowenien und erstmals auch in Serbien erprobt.

Foto 3 Radboxen c MOPE SLO

Fahrradboxen in Grosuplje, Slowenien © MOPE

In Grosuplje, Slowenien, wurden bestehende Boxen technisch aufgerüstet. Statt einem mechanischen Schlüsselsystem, das sich als störungsanfällig und wartungsintensiv herausstellte, wurden neue digitale Schlösser – ähnlich einem Hotelsafe – installiert. Zusätzlich wurden die bisher kaum genutzten Radboxen am Bahnhof mit Social-Media-Kampagne beworben. Die Rückmeldungen waren überwiegend positiv – insbesondere hinsichtlich Sicherheit, Komfort und einfacher Nutzung.

Erfolgsfaktor Kooperation und Zuständigkeiten

Gleichzeitig verdeutlichen Verzögerungen, etwa bei der Umsetzung in Novi Beograd, Serbien, die Bedeutung institutioneller Rahmenbedingungen. Nach ersten sehr positiven Interessensbekundungen der lokalen Stakeholder blieb über etliche Monate offen, auf wessen Grund und Boden die Fahrradboxen aufgestellt werden sollen. Unklare Zuständigkeiten und Grundstücksfragen zwischen Bahn, Busbetreiber und der Stadt Belgrad verzögerten die Umsetzung.

Foto 4 Radboxen Busbahnhof Novi Beograd 2 c Danube Competence Center

Fahrradboxen am Busbahnhof in Novi Beograd, Serbien © DCC

Novi Beograd ist mit dieser Herausforderung kein Einzelfall im Donauraum oder in Europa. Diese Konstellationen sind typisch für größere ÖV‑Knoten und machen deutlich: die Umsetzung von Maßnahmen im Haltestellenumfeld ist ein komplexer Prozess mit vielen beteiligten Akteur:innen. Ausreichende Zeit für Abstimmung, Planung und Umsetzung ist daher auch für vermeintlich kleinere Maßnahmen wie die Ergänzung von Radabstellanlagen am Bahnhofsvorplatz entscheidend für den Erfolg.

Die Erfahrungen aus dem Projekt Active 2 Public Transport zeigen, dass die Kombination von Fahrrad und öffentlichem Verkehr großes Potenzial besitzt. Entscheidend sind jedoch sichere Wege zur Haltestelle, hochwertige Abstellmöglichkeiten und eine gute Zusammenarbeit der beteiligten Akteur:innen. Alle Erfahrungen aus sieben Pilotaktionen sowie über 30 inspirierende Good-Practice-Beispiele sind als innovative Lösungen in der englischsprachigen Toolbox publiziert. Diese praxisnahen, innovativen Lösungen zur besseren Anbindung aktiver Mobilität an den öffentlichen Verkehr sind in zehn zentrale Handlungsfelder und Leitprinzipien für interessierte Expert:innen eingebettet.

Weiterführende Links:

Leseempfehlungen des Projektteams für das Radkompetenz-Publikum:

Dieses Projekt wurde vom Donaurraum-Interreg-Programm mit Fördermitteln der EU kofinanziert, vom Bundesministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) initiiert und wurde von der Österreichischen Energieagentur als Lead Partner in Kooperation mit klimaaktiv mobil umgesetzt.

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