Ihre Auswahl: Infrastruktur
Die besten Radverkehrslösungen Österreichs
Die Entwicklung guter Radverkehrsprojekte braucht herausragende Vorbilder. Diese lagen bis vor einigen Jahren noch in den Niederlanden oder Dänemark - aber auch Österreich kann bereits einige Highlights vorweisen. Wir präsentieren in diesem Sammelartikel eine Auswahl der besten Lösungen für den Radverkehr, die in Österreich bisher realisiert wurden. Diese Sammlung stellt kein Ranking dar, sondern bietet einen kurzen Einblick, wo diese Leuchtturmprojekte zu besichtigen sind und worin ihre Qualität liegt. Es ist uns ein Anliegen, breite geographische Streuung und Beispiele aus zahlreichen Kategorien anzuführen, die verschiedene Ansätze zeigen. Der erste Aufschlag versammelt sieben Projekte aus Kärnten, der Steiermark, Tirol und Wien. Wir erweitern die Auswahl laufend und nehmen gerne Hinweise zu Projekten an, die noch in diese Sammlung aufgenommen werden sollten. Radhighway | Praterstraße, Wien Die 2024 umgestaltete Praterstraße im zweiten Wiener Gemeindebezirk überzeugt durch Radwege mit bis zu 4,5 Metern Breite, gut durchdachten Kreuzungssituationen, viel zusätzlicher Begrünung und einladendem Flair zum Flanieren. Die Praterstraße ist Teil der Rad-Langstreckenverbindung Nord, die auf sieben Kilometern Länge vom Stadtzentrum auf einem Zwei-Richtungs-Radweg bis zur nördlichen Stadtgrenze reicht. Die klimagerechte Umgestaltung der Straße erreichte den 2. Platz beim Staatspreis für Klimawandelanpassung 2026 und den VCÖ-Mobilitätspreis 2025. Weiterführende Links: Fahrrad Wien, con.sens, 3zu0 | Location: Googlemaps | Foto: 3zu0/Kurt Höbst Kombinierte Radbrücke | Jauntalbrücke, Kärnten Ende 2023 konnte die ÖBB auf der Koralmbahn in Kärnten eine der höchsten Eisenbahnbrücken Europas nach zweijähriger Modernisierungsphase in Betrieb nehmen. Die mit einem zweigleisigen Verbundtragwerk ausgestattete Konstruktion ermöglicht Zug-Geschwindigkeiten bis zu 250 km/h. 2024 wurden auch die finalen Arbeiten am unter dem Tragwerk liegenden, neuen Geh- und Radwegdeck beendet. Die Querung ist Teil des Drauradwegs und ermöglicht auf einer neu errichteten Plattform eine spektakuläre Aussicht in knapp 100 Metern Höhe über der Drau. Weiterführende Links: ÖBB | Location: Googlemaps | Foto: ÖBB/emedia Bahnhofsgestaltung | Fritzens Wattens, Tirol Der 2026 fertiggestellte Bahnhof Fritzens-Wattens zeigt, was möglich ist, wenn Radverkehr von Beginn an als selbstverständlicher Teil moderner Infrastruktur geplant wird. Der Bahnhof überzeugt durch klare Wegeführung, barrierefreie Erschließung mit vier Aufzügen, zwei großzügige Inselbahnsteige und eine kombinierte Rad- und Fußgängerbrücke als zentraler Verbindungsebene. 160 Bike and Ride Stellplätze vervollständigen die intermodale Schnittstelle. Weiterführende Links: [...]
VCÖ-Mobilitätspreis 2025 für Radprojekte von Wien bis Lienz
Der VCÖ-Mobilitätspreis 2025 wurde unter dem Motto „Zukunftsfit für Stadt und Land“ in zwölf bundesweiten Kategorien sowie in allen neun Bundesländern vergeben. Dabei konnten sich unter anderem die Radkompetenz-Mitglieder Mobilitätsagentur Wien über die Auszeichnung als Top-Projekt in der Kategorie „Gehen und Radfahren“ und con.sens mobilitätsdesign über eine Auszeichnung für den Umbau der Praterstraße freuen. Wir bringen eine österreichweiten Überblick über alle ausgezeichneten Projekte mit Fahrradbezug: Betriebliches Mobilitätsmanagement, Stadtteilplanung, Radservices und bewusstseinsbildende Maßnahmen. […]
Forschungsprojekt VERA: Welche Maßnahmen erhöhen den Radverkehr?
Die Wirkungsabschätzung von Radverkehrsmaßnahmen stellt eine zentrale Herausforderung in der Verkehrsplanung dar. Das Forschungsprojekt VERA, das als Kooperation der Radkompetenz-Mitglieder Universität Salzburg und Herry Consult mit der Technischen Universität Dresden und dem Unternehmen EBP Schweiz AG durchgeführt wurde, hat sich mit dieser Fragestellung beschäftigt. Die wichtigste Erkenntnis der Studie: Nichts fördert den Radverkehr besser als neu gebaute Radwege! An zweiter Stelle folgt die Öffnung von Einbahnen, also eine sehr kosteneffiziente Maßnahme. Nun ist ein Leitfaden verfügbar, der bei der Einschätzung von Wirksamkeiten hilft. VERA-Leitfaden als Planungshilfe für Radinfrastruktur-Maßnahmen Bisherige Methoden zur Wirkungsabschätzung basieren oft auf datenintensiven mathematischen Modellen oder einzelnen Expert:innenschätzungen. In VERA wurden durch eine Kombination aus Literaturrecherche, Expert:innenbefragungen und empirischen Untersuchungen zuverlässige Antworten gesucht und gleichzeitig der Datenbedarf minimiert. Zentrales Ergebnis ist der gewonnene Leitfaden, der Entscheidungsträger:innen eine fundierte Grundlage für die Gestaltung einer effizienten Radverkehrsinfrastruktur bietet. Für die Planung und Umsetzung neuer Radwege oder Verbesserungen bestehender Radverkehrsanlagen ist es entscheidend, den zu erwartenden Verlagerungseffekt der jeweiligen Maßnahmen im Vorfeld abschätzen zu können. Der VERA-Leitfaden bietet Entscheidungsträger:innen in der DACH-Region hierfür ein methodisches Instrument zur Abschätzung dieser Verlagerungen. Er verfolgt das Ziel, praktische und leicht umsetzbare Lösungen für die Planung von Radverkehrsmaßnahmen bereitzustellen, die sowohl große Städte als auch kleinere Gemeinden anwenden können. Dadurch sollen die verfügbaren finanziellen Mittel optimal eingesetzt werden können und eine evidenzbasierte Grundlage für Interessenskonflikte geschaffen werden. Empirische Erkenntnisse aus Millionen aufgezeichneter Radfahrten Damit VERA Aussagen mit hoher Relevanz und Verlässlichkeit treffen kann, basieren die Erkenntnisse des Projekts auf einer Kombination aus Literaturanalyse, Expert:innenkonsultation und empirischer Analyse. Die empirische Analyse besteht aus mehreren Millionen aufgezeichneter Radfahrten (Trajektorien), zusätzlich wurden Daten aus stationären Zählstellendaten und Mobilitätserhebungen gesammelt. In Zusammenarbeit mit Kommunen und Regionen wurden die Wirkungen von Maßnahmen dann analysiert und mit den Ergebnissen aus Literatur und Expert:innenbefragung kombiniert, sodass eine systematische und datenbasierte Evaluierung stattfinden konnte. So eine Art der Datenerfassung ist für den DACH-Raum neu, da bisherige Maßnahmen-Evaluierungen eher auf einzelnen Expert:innenschätzungen basierten. Neubau von Radwegen als wirkungsstärkste Maßnahme Aus den Ergebnissen ging folgende Wirkungsmatrix hervor, in der die Wirkung verschiedener Maßnahmen aufgezeigt wird: Matrix aus den Konsultationen der 169 Expert:innen zu den Wirkungen der Maßnahmen [...]
Neue Mobilitätsstrategien für St. Pölten und die Steiermark
Die neue Mobilitätsstrategie Steiermark 2024+ und die Leitkonzeption für aktive Mobilität St. Pölten wurden vor Kurzem veröffentlicht. Beide Strategien haben zum Ziel, den Radverkehr in den nächsten Jahrzehnten deutlich zu erhöhen. Mitgewirkt haben die Radkompetenz-Mitglieder Rosinak & Partner in der Steiermark und con.sens mobilitätsdesign in St.Pölten. Wir haben zusammengefasst, welche Maßnahmen zur Radverkehrssteigerung in den Strategien vorgesehen sind. Steiermark: Plus fünf Prozent im Radverkehr bis 2040 Die neue Mobilitätsstrategie 2024+ für das Bundesland Steiermark, an der Radkompetenz-Mitglied Rosinak & Partner im Auftrag der Landesregierung mitgearbeitet hat, ist da! Sie löst die Mobilitätsstrategie von 2008 ab und legt den Fokus auf Klimaneutralität, Lebensqualität und soziale Teilhabe. Unterstützt wurde die Erarbeitung der Ziele durch eine landesweite Online-Befragung der steirischen Bürger:innen. Diese zeigte, dass sich die Steirer:innen einen Ausbau der Bus- und Bahnverbindungen sowie moderne Rad- und Fußwege wünschen. Der Vergleich des Modal Split zeigt, welche Verkehrszusammensetzung im Jahr 2040 erreicht werden soll: Bis 2040 wird ein Anstieg von 5 %-Punkten im Radverkehr angepeilt, also insgesamt 12% Radverkehr. Der Radanteil hat sich vor allem in den Ballungszentren schon erhöht und soll künftig auch als Pendelmodus zwischen den Gemeinden gestärkt werden. Aktive Mobilität und intermodale Wege erhöhen Um dieses Ziel zu erreichen, wurden im Themenblock „Aktive Mobilitätsarten erhöhen“ Maßnahmen ausgearbeitet, die Radmobilität attraktiver machen sollen. Für die Förderung von aktiver Mobilität wird die Radverkehrsstrategie Steiermark 2025 herangezogen, welche weiter umgesetzt und aktualisiert werden soll. Dadurch sollen flächendeckende Radverkehrskonzepte und einheitliche Beschilderung und Orientierungsmaßnahmen realisiert werden. Rund die Hälfte der 28 geplanten Radverkehrskonzepte wurden schon umgesetzt, damit soll eine möglichst hohe Netzwirkung im Bundesland erreicht werden. Lückenschlüsse, angepasste Kfz-Geschwindigkeiten und Umgestaltungen zu Fahrrad- und Schulstraßen sind ebenfalls Maßnahmen, die das Straßennetz fahrradfreundlicher gestalten sollen. Auch im Themenblock „Intermodale Wege erhöhen“ finden sich Maßnahmen für den Radverkehr. Wichtig ist es, Schnittstellen im Verkehr wie Bahn- und Bushaltestellen vermehrt an das Radwegenetz anzubinden. Deshalb sollen an solchen Knotenpunkten Radabstellanlagen evaluiert und erweitert werden. An höher frequentierten Standorten sollen abschließbare Fahrradräume, Fahrradboxen oder Fahrradgaragen einen besonderen Schutz vor Witterung und Diebstahl bieten. Die Mitnahme von Fahrrädern in der Bahn soll durch erweiterte Zugsgarnituren erleichtert werden. Fördermodelle anpassen und Verkehrssicherheit verbessern Um [...]