Wien gestaltet die Ringstraße für den Fuß- und Radverkehr neu

Mit täglich tausenden Fußgänger:innen und Radfahrenden zählt die Wiener Ringstraße zu den am stärksten frequentierten Straßenräumen Österreichs. Hier treffen hoher Fuß- und Radverkehr, dichter öffentlicher Verkehr sowie bedeutende historische Stadträume auf engem Raum zusammen. Die heute gemeinsam geführten Geh- und Radwege stoßen dabei zunehmend an ihre Kapazitätsgrenzen. Mit der geplanten Umgestaltung der Seitenräume ab Herbst 2026 soll diesen unterschiedlichen Anforderungen künftig besser Rechnung getragen werden.
Derzeit sind die gemeinsam genutzten Rad- und Gehwege auf beiden Seiten des Rings eng und unübersichtlich. Das führt regelmäßig zu Konflikten zwischen Fußgänger:innen und Radfahrer:innen. Das Radverkehrsaufkommen am Ring ist bereits sehr hoch – im Jahr 2025 wurden innen und außen am Opernring im Durchschnitt rund 4000 Radfahrende pro Tag gezählt. Die bestehende Lösung entspricht damit nicht mehr den heutigen Qualitätsstandards der Radverkehrsplanung. Daher hat sich die Stadt Wien entschieden, die Geh- und Radwege am Ring neu zu gestalten.
Gesamthafter Planungsansatz
Ein wichtiges Ziel ist es, die Nutzungskonflikte zwischen Fuß- und Radverkehr zu reduzieren und gleichzeitig den historischen Charakter des Rings stärker hervorzuheben. Die Geh-Allee zwischen Nebenfahrbahn und Hauptfahrbahn soll künftig wieder ausschließlich dem Fußverkehr dienen. Die heutige Nebenfahrbahn wird dafür – weitgehend ohne Kfz-Verkehr – zur Rad-Allee, wie das Radkompetenz-Mitglied Mobilitätsagentur Wien anhand der folgenden Grafik zeigt:
Grafik der neuen Straßenaufteilung am Ring © Mobilitätsagentur Wien
Die Neugestaltung folgt einem gesamthaften Ansatz, der zusammen mit dem Planungsbüro Gehl Architects aus Kopenhagen entwickelt wurde. Die Planung orientiert sich an international erprobten Konzepten einer menschenorientierten Straßenraumgestaltung. Ziel ist eine durchgängige, einheitliche und hochwertige Gestaltung der Fuß- und Radverkehrsflächen auf den Alleen und Nebenfahrbahnen des Rings.
Je nach Nutzungsstärke auf den einzelnen Ringabschnitten erfolgt die Umgestaltung auf der Innen- oder Außenseite. Die Hauptfahrbahnen für den Kfz-Verkehr sowie der öffentliche Verkehr bleiben unverändert. So soll vom Schottenring über Universitäts-, Karl-Renner-, Opern- und Kärntnerring die Innenstadt-Seite des Rings neugestaltet werden. Vom Schwarzenbergplatz bis zur Urania wird die Außenseite des Rings umgestaltet.
Radkompetenz Mitglied Radlobby begrüßt die Pläne als wichtigen Schritt zu einer zeitgemäßen Ringstraße und sieht darin einen „längst überfälligen Qualitätsgewinn für den Fuß- und Radverkehr“. Gleichzeitig sieht sie weiteres Verbesserungspotenzial: eine Bündelung der Zu- und Ausfahrten für den Kfz-Verkehr würde die Zahl der Querungen reduzieren, die Verkehrssicherheit erhöhen und einen weitgehend kreuzungsfreien Verkehrsfluss für Rad-, Fuß- und Straßenbahnverkehr ermöglichen.
Übersichtsgrafik und Bauphasen © Mobilitätsagentur Wien / Büro Bauer
Baubeginn am Schottenring
Ab Herbst 2026 beginnt die etappenweise Umgestaltung auf dem rund 700 m langen Schottenring – und zwar auf der Innenseite des Rings zwischen den U-Bahn-Stationen Schottentor und Schottenring. Die Außenseite bleibt unverändert.
Die Hauptfahrbahnen für den Kfz-Verkehr sowie der öffentliche Verkehr bleiben unverändert. Umgestaltet wird die Nebenfahrbahn: Sie wird zur Rad-Allee mit einem 4,50 Meter breiten Zwei-Richtungs-Radweg und entspricht damit hinsichtlich der Breite den RVS-Anforderungen an Radschnellverbindungen. Fußgänger:innen erhalten deutlich mehr Platz in der schattigen Geh-Allee und auf dem verbreiterten Gehsteig. Damit bekommen Rad- und Fußverkehr jeweils eigene, klar abgegrenzte Bereiche. In einzelnen Abschnitten bleibt, wo erforderlich, eine Zufahrt für Kfz möglich, etwa zu Garagen oder Hotels.
Rendering Schottenring/Gonzagasse © Mobilitätsagentur Wien/ Gehl
Begrünung und Entsiegelung
Auch die Begrünung wird deutlich ausgebaut: Insgesamt werden mehr als 900 m² neue Grünflächen und Beete entlang des inneren Schottenrings errichtet. 12 neue Bäume werden allein in diesem Abschnitt gepflanzt.
Rendering Schottenring/Börsegasse © Mobilitätsagentur Wien/ ZOOMVP.AT
Gestaltung der Radwege
Die Radwege werden – erstmals in Wien – in Sandsteinfarbe ausgeführt. Der sandsteinfarbene Asphalt verbessert die Orientierung und unterstützt die klare Trennung zwischen Geh- und Radverkehr. Gleichzeitig greift die Farbgebung die historische Ausführung der ehemaligen Reit-Alleen auf und fügt sich harmonisch in das Erscheinungsbild der Ringstraße ein.
Der bisher asphaltierte Gehsteig vor den Häusern und Palais der Ringstraße wird durch eine barrierefreie Granitsteinpflasterung ersetzt und gestalterisch aufgewertet.
Innovative Lösungen
Um Querungen für Fußgänger:innen über die Rad-Allee sicherer zu gestalten, werden „Zwischenlinsen“ gepflastert – kleine Inseln in der Gehsteigoptik, die bei Bedarf einen Zwischenstopp ermöglichen. Der Radverkehr soll dadurch an diesen Stellen entschleunigt werden. Auch die Kreuzungsbereiche werden durch Gehsteig-Vorziehungen für alle Verkehrsteilnehmenden sicherer gemacht.
Rendering Schottenring/Heßgasse © Mobilitätsagentur Wien / ZOOMVP.AT
Um Synergien zu nutzen, gehen der Umgestaltung am Schottenring Arbeiten von Wiener Wasser voraus. Die Umsetzung erfolgt anschließend in mehreren Bauphasen (s.o. Übersichtsgrafik Bauphasen). Nach Abschluss aller Bauabschnitte entsteht entlang großer Teile des Rings ein durchgängiges System aus getrennten Geh- und Rad-Alleen. Damit erhält einer der bedeutendsten Straßenräume Österreichs eine zeitgemäße Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr, ohne seinen historischen Charakter zu verlieren.
Mehr Informationen zur Neugestaltung: meinring.wien
Mehr von den Radkompetenz-Mitgliedern in diesem Artikel:
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Derzeit sind die gemeinsam genutzten Rad- und Gehwege auf beiden Seiten des Rings eng und unübersichtlich. Das führt regelmäßig zu Konflikten zwischen Fußgänger:innen und Radfahrer:innen. Das Radverkehrsaufkommen am Ring ist bereits sehr hoch – im Jahr 2025 wurden innen und außen am Opernring im Durchschnitt rund 4000 Radfahrende pro Tag gezählt. Die bestehende Lösung entspricht damit nicht mehr den heutigen Qualitätsstandards der Radverkehrsplanung. Daher hat sich die Stadt Wien entschieden, die Geh- und Radwege am Ring neu zu gestalten.
Gesamthafter Planungsansatz
Ein wichtiges Ziel ist es, die Nutzungskonflikte zwischen Fuß- und Radverkehr zu reduzieren und gleichzeitig den historischen Charakter des Rings stärker hervorzuheben. Die Geh-Allee zwischen Nebenfahrbahn und Hauptfahrbahn soll künftig wieder ausschließlich dem Fußverkehr dienen. Die heutige Nebenfahrbahn wird dafür – weitgehend ohne Kfz-Verkehr – zur Rad-Allee, wie das Radkompetenz-Mitglied Mobilitätsagentur Wien anhand der folgenden Grafik zeigt:
Grafik der neuen Straßenaufteilung am Ring © Mobilitätsagentur Wien
Die Neugestaltung folgt einem gesamthaften Ansatz, der zusammen mit dem Planungsbüro Gehl Architects aus Kopenhagen entwickelt wurde. Die Planung orientiert sich an international erprobten Konzepten einer menschenorientierten Straßenraumgestaltung. Ziel ist eine durchgängige, einheitliche und hochwertige Gestaltung der Fuß- und Radverkehrsflächen auf den Alleen und Nebenfahrbahnen des Rings.
Je nach Nutzungsstärke auf den einzelnen Ringabschnitten erfolgt die Umgestaltung auf der Innen- oder Außenseite. Die Hauptfahrbahnen für den Kfz-Verkehr sowie der öffentliche Verkehr bleiben unverändert. So soll vom Schottenring über Universitäts-, Karl-Renner-, Opern- und Kärntnerring die Innenstadt-Seite des Rings neugestaltet werden. Vom Schwarzenbergplatz bis zur Urania wird die Außenseite des Rings umgestaltet.
Radkompetenz Mitglied Radlobby begrüßt die Pläne als wichtigen Schritt zu einer zeitgemäßen Ringstraße und sieht darin einen „längst überfälligen Qualitätsgewinn für den Fuß- und Radverkehr“. Gleichzeitig sieht sie weiteres Verbesserungspotenzial: eine Bündelung der Zu- und Ausfahrten für den Kfz-Verkehr würde die Zahl der Querungen reduzieren, die Verkehrssicherheit erhöhen und einen weitgehend kreuzungsfreien Verkehrsfluss für Rad-, Fuß- und Straßenbahnverkehr ermöglichen.
Übersichtsgrafik und Bauphasen © Mobilitätsagentur Wien / Büro Bauer
Baubeginn am Schottenring
Ab Herbst 2026 beginnt die etappenweise Umgestaltung auf dem rund 700 m langen Schottenring – und zwar auf der Innenseite des Rings zwischen den U-Bahn-Stationen Schottentor und Schottenring. Die Außenseite bleibt unverändert.
Die Hauptfahrbahnen für den Kfz-Verkehr sowie der öffentliche Verkehr bleiben unverändert. Umgestaltet wird die Nebenfahrbahn: Sie wird zur Rad-Allee mit einem 4,50 Meter breiten Zwei-Richtungs-Radweg und entspricht damit hinsichtlich der Breite den RVS-Anforderungen an Radschnellverbindungen. Fußgänger:innen erhalten deutlich mehr Platz in der schattigen Geh-Allee und auf dem verbreiterten Gehsteig. Damit bekommen Rad- und Fußverkehr jeweils eigene, klar abgegrenzte Bereiche. In einzelnen Abschnitten bleibt, wo erforderlich, eine Zufahrt für Kfz möglich, etwa zu Garagen oder Hotels.
Rendering Schottenring/Gonzagasse © Mobilitätsagentur Wien/ Gehl
Begrünung und Entsiegelung
Auch die Begrünung wird deutlich ausgebaut: Insgesamt werden mehr als 900 m² neue Grünflächen und Beete entlang des inneren Schottenrings errichtet. 12 neue Bäume werden allein in diesem Abschnitt gepflanzt.
Rendering Schottenring/Börsegasse © Mobilitätsagentur Wien/ ZOOMVP.AT
Gestaltung der Radwege
Die Radwege werden – erstmals in Wien – in Sandsteinfarbe ausgeführt. Der sandsteinfarbene Asphalt verbessert die Orientierung und unterstützt die klare Trennung zwischen Geh- und Radverkehr. Gleichzeitig greift die Farbgebung die historische Ausführung der ehemaligen Reit-Alleen auf und fügt sich harmonisch in das Erscheinungsbild der Ringstraße ein.
Der bisher asphaltierte Gehsteig vor den Häusern und Palais der Ringstraße wird durch eine barrierefreie Granitsteinpflasterung ersetzt und gestalterisch aufgewertet.
Innovative Lösungen
Um Querungen für Fußgänger:innen über die Rad-Allee sicherer zu gestalten, werden „Zwischenlinsen“ gepflastert – kleine Inseln in der Gehsteigoptik, die bei Bedarf einen Zwischenstopp ermöglichen. Der Radverkehr soll dadurch an diesen Stellen entschleunigt werden. Auch die Kreuzungsbereiche werden durch Gehsteig-Vorziehungen für alle Verkehrsteilnehmenden sicherer gemacht.
Rendering Schottenring/Heßgasse © Mobilitätsagentur Wien / ZOOMVP.AT
Um Synergien zu nutzen, gehen der Umgestaltung am Schottenring Arbeiten von Wiener Wasser voraus. Die Umsetzung erfolgt anschließend in mehreren Bauphasen (s.o. Übersichtsgrafik Bauphasen). Nach Abschluss aller Bauabschnitte entsteht entlang großer Teile des Rings ein durchgängiges System aus getrennten Geh- und Rad-Alleen. Damit erhält einer der bedeutendsten Straßenräume Österreichs eine zeitgemäße Infrastruktur für den Fuß- und Radverkehr, ohne seinen historischen Charakter zu verlieren.
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